Florenz

Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen – oder: Endlich Licht ins Dunkel der Finanzmärkte bringen!

| Briefe aus Brüssel

CCP, OTC, EMIR, MiFID und ESMA… Derivate, Clearingstellen, Swaps und Futures… nur noch die wenigsten unter uns verstehen wirklich, was auf den Finanzmärkten vorgeht. Fast scheint es auch, als würde es eine eigene, uns fremde Sprache für diesen Bereich geben… Und geht es Ihnen nicht auch so, dass Sie die entsprechenden Seiten in der Tageszeitung überspringen?

Dabei dreht sich die Finanzwelt schon lange nicht mehr nur um den Aktienmarkt mit all seinen Höhen und Tiefen.

Der so genannte "außerbörsliche Derivatemarkt" hat in den vergangenen Jahren - fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit - gigantische, ja fast beängstigende Ausmaße angenommen. 2011 betrug das Nominalvolumen rund 530 Billionen Euro. 530 Billionen - das ist eine Zahl mit zwölf Nullen!

Eigentlich, so möchte man sagen, sollten dies mindestens 530 Billionen Anlässe für die Politik sein, auch diesen Markt zu regulieren - doch das Gegenteil war bisher der Fall!

Man mag es kaum glauben, doch wurden Derivate bisher kaum überwacht. Dies ist jedoch kein Versäumnis der Politik an sich, sondern vor allem auf fehlende Abstimmung zwischen Staaten zurückzuführen. Denn auch Derivate kennen keine Grenzen. Eine einzelstaatliche Regelung macht deshalb keinen Sinn, eine europäische oder gar globale Regelung war, so hieß es immer, nicht möglich.

Wie so oft im Leben, hat sich auch dies bitter gerächt - mit der Lehman Pleite 2008 und der darauf folgenden Finanzkrise. Die Folgen sind uns allen noch in Erinnerung.

Doch hatte all dies einen positiven Effekt - es war ein Weckruf, der dazu geführt hat, dass sich Staaten, die sich vorher noch nicht einmal auf eine Tagesordnung einigen konnten, zusammensetzten und Besserung gelobten. Der entsprechende G-20-Beschluss stammt aus dem Jahr 2009.

Wir alle wissen: Papier ist geduldig und ein Beschluss der G-20 allein verändert zunächst einmal nichts.

Deshalb hat das Europäische Parlament auch mit viel Durchsetzungskraft und Ausdauer darauf gedrungen, eine Verordnung zu verabschieden - und hier möchte ich meine Kollegen aus dem Ausschuss für Wirtschaft und Währung beglückwünschen. Sie haben eine wirklich gute Regelung erreicht - diese Woche stimmten wir dazu im Plenum ab. Es gibt nun strenge und verlässliche Regeln.

Mit den genauen Termini verschone ich Sie an dieser Stelle, doch darf ich versichern, dass es allgemeingültige Regeln gibt, die zum Beispiel eine Eigenkapitalunterlegung fordern, eine Meldepflicht einführen und die - ganz wichtig - auch Sanktionen vorsehen.

Ich bin der Meinung, dass es nicht angeht, dass es Teile des Marktes gibt, die "wie schwerelos" agieren und niemanden verantwortlich sind. Das sagt uns doch schon unser gesunder Menschenverstand. Was für Otto Normalverbraucher gilt, muss für die Hedgefonds und Trader dieser Welt doch ebenso gelten!

Die Verordnung, die wir heute verabschiedet haben, ist deshalb sehr begrüßen, doch ist auch sie nur ein erster Schritt. Es gibt noch viel zu tun.

Es darf schließlich nicht angehen, dass wir eine zweite "Lehman-Bank" brauchen, bevor wir die Brisanz und Dringlichkeit des Themas begreifen. Hierfür werde ich mich - zusammen mit meinen Kollegen - auch in der Zukunft einsetzen.

 

 

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