Florenz

Mit Optimismus und langfristigen Lösungen in eine nachhaltigere Zukunft – oder: Ein Jahresrückblick der anderen Art.

| Briefe aus Brüssel

Wenn das Jahr zu Ende geht, schaut man, so ist es Tradition, zurück auf die vergangenen Monate. Im Fernsehen und in der Presse gibt es zahllose Jahresrückblicke und auch in der Politik nimmt man das Jahresende zum Anlass, Bilanz zu ziehen: Die Katastrophe von Fukushima, die sich weiter zuspitzende Euro-Krise, der arabische Frühling, EHEC, Skandale um Doktorarbeiten, Regierungswechsel in Griechenland und Italien. Das Jahr 2011, so kann man wirklich sagen, war ein ereignisreiches….

Damit die Rückschau Sinn macht, gilt es jedoch zu fragen: "Was lernen wir daraus"? Und hier bereits scheiden sich die Geister.

Für mich persönlich zeigt das Jahr 2011 vor allem eines: Flickschusterei hilft nicht! Es hat sich oft genug gezeigt, dass mit heißer Nadel gestrickte Lösungen nicht lange vorhalten. Manch eine Rettung, die am Freitag vereinbart wurde, war am Montag schon wieder 'passé' - und oft genug haben die Finanzmärkte die Politik und ihre 'Lösungen' Lügen gestraft. Für das neue Jahr sollten wir deshalb - wie auch unsere Bundeskanzlerin uns anrät - das Wagnis eingehen, langfristiger zu denken. Wir müssen vom 'Klein-Klein' wegkommen, vom kurzfristigen Behandeln der Symptome und ein strategischeres Handeln wagen. Dem entsprechend sollten wir die derzeitige Krise auch als 'Weckruf' sehen - und als Wegbereiter für endlich durchführbare langfristige Lösungen.

Besonders gilt dies in Bezug auf die Eurokrise. Es gilt sozusagen, das "Immunsystem" des Euro und der europäischen Haushalte zu stärken - mit einer guten Dosis 'Nachhaltigkeit'. Dies wird jedoch dauern. Doch sollten wir uns klar machen: Wir sprechen hier nicht über Kleinigkeiten. Was wir brauchen, ist eine grundlegende Neustrukturierung der Art und Weise, wie wir wirtschaften - denn nur so können wir nachhaltigen Wohlstand sichern. Die Verschuldung, die wir derzeit beklagen, wurde über Jahre aufgebaut - da ist es nur verständlich, dass sie sich nicht innerhalb weniger Monate abbauen lässt. Und sicher ist dies nicht möglich, wenn wir - bis auf wenige 'Reförmchen' - weiter machen wie bisher. Die Politik ist deshalb aufgefordert, auch gegenüber der Wirtschaft für mehr Nachhaltigkeit zu werben. Es gilt, nicht nur nach kurzfristigen Gewinnen an der Börse zu schielen, sondern sicherzustellen, dass unsere Unternehmen auch in der Zukunft wettbewerbsfähig sein können und Arbeitsplätze sichern.

Die Politik muss hierfür die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Zu oft haben Politiker in der Vergangenheit 'mehr Geld' versprochen - besonders im Wahlkampf war dies schon fast ein Automatismus.

Es geht um eine realistischere Politik. Sicher, dies ist einfacher gesagt als getan. Jedoch: Ich bin überzeugt, dass wir sogar gestärkt und stabiler aus dieser Krise hervorgehen können, wenn wir diese Grundsätze beherzigen.

Und dies bringt mich zu meinem ganz persönlichen Vorsatz für das Neue Jahr: Optimistischer in die Zukunft blicken! Denn Optimismus brauchen wir. Wir stehen vor großen Herausforderungen, doch bin ich sicher, dass diese Herausforderungen uns weiter voranbringen werden - wenn wir sie denn als Chance ergreifen, umsichtig handeln und nicht vor der Größe der Aufgabe die Flucht ergreifen.

Wir haben in Europa - gemeinsam - schon viel erreicht: Mehr als sechzig Jahre Frieden und Freiheit, wirtschaftliche Stabilität und Einfluss in der Welt. Darauf können wir stolz sein und darauf sollten wir aufbauen.

In diesem Sinne: Ein gutes Neues Jahr 2012!

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